Impressum | Oktara Verlag

DL2 Media

Bilder und Bellizismus

Auf formale Analogien zwischen dem Schießen von Bildern und dem Schießen auf Menschen hat unter anderem Villem Flusser hingewiesen. Auf den Auslöser drücken…Zielerfassung…Schießen…im Visier haben…Schnitt!…Waffentechnik und optische Technik kollaborieren, ihre Begrifflichkeiten ähneln sich, und Bilder des Krieges sind selbst Bestandteile eines Krieges der Bilder. Bilderflut und Blutbad bedingen sich gegenseitig, denn Blutbäder werden inszeniert als Botschaft an die Weltöffentlichkeit. Weil ein Bild mehr sagt, als tausend Worte, lügt es mehr als tausend Worte und ist damit geeignetes Instrument der Propaganda. Objektive Bilder? Der Dokumentarfilm “War Photographer” über den Fotografen James Nachtwey verdeutlicht, dass ein Bemühen um Objektivität den Abstand zum Gegenstand und seinen Kontext so sehr reduziert, das man sich und das was mun tut nicht mehr davon lösen kann. Eindringliche Bilder eignen sich als Munition. Wenn Bilder `schnelle Schüsse ins Gehirn`sind (Werner Kroeber-Riel), sind eindringliche Filme Salven. Was Bilder und Filme von `Full Metal Jackets` unterscheidet ist, dass die Munition nicht per se darauf ausgerichtet ist, ihr Zielobjekt (den Zuschauer) zu schädigen. Der Wirkungszusammenhang von Waffe und Munition ist nicht von Grund auf destruktiv. Munition kann töten, betäuben, therapieren und inspirieren. Je nach dem, ob der Schuß ein goldener ist, oder den Adressaten als Botenstoff bis ins Mark trifft und ihn dadurch zu Erkenntnissen bringt. Nicht die Waffe und ihre Betätigung ist tödlich oder lehrreich, sondern der Effekt der Munition auf das Zielsubjekt. Im Krieg ist es getroffen, ein eindrucksvoller Film betrifft es. Ein eindringlicher Film, der die Ambivalenz des Mediums Films als gefährliche und therapeutische Dosis von Bildern thematisiert, ist `Dear Wendy` von Thomas Vinterberg: `Dreht` sich um einen pazifistischen Waffennarr, dessen Narrenliebe ein Gemetzel heraufbeschwört. A film like a `Bullet in the Head`. Die friedliche Absicht, die mythologische Überhöhung der Waffe, die desaströse Wirkung auf die Adressaten: all das eine Metapher für das Problem der Kontrolle über das, was man auslöst, wenn man den Auslöser drückt.